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Hummels Schulhundausbildung - das Einführungsseminar

Die Idee mit Hummel in die Schule zu gehen, wurde schon recht früh geboren – wobei hier jetzt nicht von einer Hundeschule die Rede ist (die hat sie natürlich schon von Welpenalter an besucht). Noch bevor Hummel 2008 bei uns einzog, machte mich ein Beitrag in einem Elo®-Forum auf die Schulhundearbeit aufmerksam. Da ich als Lehrerin an einem Gymnasium arbeite, reizte mich die Idee, mit einem Hund zusammen in den Unterricht zu gehen.

Doch war ein Schulhund wirklich etwas für das Gymnasium?

Grundschule, klar … Förderschule sowieso … aber eine weiterführende Schule, war da Platz für diese Art des Lernens?

Ich recherchierte, was ein Schulhund überhaupt „zu tun hat“ und stieß auf vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Von der bloßen positiven Auswirkung durch die Anwesenheit eines Hundes im Klassenraum bis zum therapiestützenden Einsatz in der Einzelarbeit ist alles möglich. Auch stellte ich fest, dass Schulhunde offensichtlich gerade „im Kommen“ sind und an jeder Schulform eingesetzt werden.

So eine „Modeerscheinung“ birgt natürlich auch die Gefahr, dass Hunde mit in die Schule genommen werden, die eigentlich dafür nicht geeignet sind, z.B. weil ihnen damit zuviel Stress zugemutet wird und ihre Reaktionen gegenüber den Kindern nicht mehr voraussehbar sind.

Aus diesem Grund stand für mich von vornherein fest, dass ich Hummel und mich auf einen möglichen Schuleinsatz gut vorbereiten wollte, schon um bei meiner Schulleitung nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich den Hund nur mitbringen will, weil ich zu Hause keine Betreuung für sie habe ….

Ich nahm Hummel also ab ihrem 6. Lebensmonat außerhalb der Unterrichtszeiten öfter mit in die Schule, damit sie sich an die Örtlichkeiten ohne den Trubel der 1200 Schüler gewöhnen konnte. Sie nahm souverän an Fachkonferenzen teil (und wurde dort von den Anwesenden meistens erst wahrgenommen, wenn wir gingen), begleitete mich auf Elternabende – und bekam bedingt durch ihr freundliches, offenes Wesen immer ein positives Feedback.

Das ermutigte mich in meinem Vorhaben, doch so ganz ohne eine theoretische Unterweisung, ein tragfähiges Konzept und eine fachkundige Einschätzung meines Hundes, wollte ich nicht vor meine Schulleitung treten. Also entschloss ich mich an einem Einführungsseminar zur Arbeit mit Schulhunden teilzunehmen.

Es gibt noch keine anerkannte Ausbildung zum Schulhund bzw. Schulhundeführer, trotzdem werden von mehreren Institutionen schon Seminare angeboten und von mehreren Arbeitskreisen in der ganzen Republik wird gerade ein Katalog von verbindlichen Anforderungen und Inhalten einer Ausbildung erarbeitet. Ein großes Spektrum an Informationen zu diesem Thema, sowie auch zu den Voraussetzungen an der Schule, fand ich unter www.schulhundweb.de.

Die Wahl eines Anbieters fiel mir insofern nicht schwer, weil ich durch das Forum mit Nina und Kasi (Eros vom Krähental) jemanden kannte, der diese Ausbildung dort schon gemacht hatte und von den Inhalten überzeugt war.

Hummel und ich machten uns also an einem Wochenende auf den Weg nach zu ColeCanido nach Iserlohn. Um Wirkungen von Schulhunden, Voraussetzungen der Hunde, der Lehrer und der Schule, rechtliche Bedingungen und viele andere Dinge sollte es gehen. Praktische Übungen waren angekündigt und ich war schon sehr gespannt.

Vor Ort trafen wir auf sieben andere Schulhundeteams, sowie drei Teilnehmerinnen, die ohne Hund am Seminar teilnahmen. Die Situation war natürlich für alle Beteiligten hochspannend, schließlich würden Mensch und Tier zwei Tage in einem Seminarraum  verbringen – ob da ertragreiches Arbeiten möglich sein würde?

Es war möglich! Da dem Kennen lernen der Hunde untereinander zu Beginn des Seminars viel Raum zugestanden und nach den dort gemachten Beobachtungen die Hunde samt ihren Besitzern im Seminarraum platziert wurden, konnten wir Menschen in den Theoriephasen konzentriert arbeiten, während die Hunde auf ihren Decken oder in ihren Boxen auf die für sie interessanteren Praxisteile warteten und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten mehr oder weniger entspannten. Einige Rüden hatten „Platzhirschprobleme“, aber dafür wurde unkompliziert und schnell eine Lösung gefunden.

Hier muss ich noch einmal herausstellen, wie sehr mich meine sonst so hummelige Hummel erstaunt hat, denn die Theorieteile verbrachte sie ruhig in ihrer (offenen) Box und konnte sogar manchmal sehr entspannt ein Nickerchen dabei machen!

 


                                                                      Foto: Martina Windscheif

 

 

Die Praxiseinheiten waren für die Einschätzung der Hunde wichtig. So mussten Hummel und ich gemeinsam einen kleinen Parcours absolvieren. Dabei ging es um die Bindung Hund-Mensch, Grundgehorsam, das Vermögen des Hundes sich auf evtl. Neues einzulassen und sich in ungewohnter Umgebung zu konzentrieren.

Danach ging sie denselben Parcours noch einmal mit einer ihr fremden Person. Diese Übung sollte im Ansatz darüber Aufschluss geben, ob der Hund auch in der Lage ist, sich für einen gewissen Zeitraum von seiner eigentlichen Bezugsperson unabhängig zu machen und auf andere Personen einzulassen. Ein wichtiger Aspekt, wenn Schülerinnen und Schüler mit dem Hund unter Aufsicht alleine arbeiten sollen (Parcours, Tricks, …). Herauszustellen ist hierbei, dass die Hunde zu nichts gezwungen wurden, d.h. Hunde die nicht bereit waren, ohne ihre Besitzer zu arbeiten, brauchten dies auch nicht zu tun.

In einer Freilaufphase sollten wir Menschen versuchen die Aufmerksamkeit unserer Hunde durch Tricks und Gehorsamsübungen so zu binden, dass sie sich nicht den anderen Hunden widmeten, sondern mit uns arbeiteten. Im Hintergrund standen hier die Möglichkeiten, mit seinem Hund in Kommunikation zu treten, auch wenn viele Schülerinnen und Schüler und damit viele Geräusche und Ablenkung im Raum sind.

 

 

Somit wurde neben der Theorie auch jede praktische Übung mit der Arbeit in der Schule sinngebend verknüpft und dann noch zumindest theoretisch um weitere praktische Einsatzmöglichkeiten der hundegestützten Pädagogik erweitert.

Nach zwei sehr interessanten, aber für Mensch und Tier auch sehr anstrengenden Tagen, fuhr ich mit Hummel wieder gen Bremen. 

Einige Zeit nach dem Seminar flatterte uns per Post die Einschätzung unseres „Schulhundeteams“ ins Haus, die mich darin bestätigte, dass mein Hund für den Einsatz in der Schule trotz ihres noch jugendlichen Alters von damals 14 Monaten durchaus geeignet ist.

 

Was daraus nun werden soll? Wir werden in einer der nächsten Elo®-Post-Ausgaben weiter berichten …



           Foto: Martina Windscheif


Artikel erschienen in der Elo®-Post Nr. 23 /2010 (Vereinszeitschrift der EZFG e.V.)




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